- 23:05:00
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Der
Kuss der Sirene
Mandy
Hubbard
Verlag:
Ravensburger Buchverlag
gebunden
Preis:
14.99 Euro
Seiten:
276
ISBN:
978-3-473-40090-4
- 21:05:00
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Au
revoir, bis nach dem Krieg
Gudrun
Pausewang
Verlag:
Gerstenberg
gebunden
Preis:
14.95 Euro
Seiten:
222
ISBN:
978-3-8369-5444-0
- 10:00:00
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Das hier war ebenfalls für einen Wettbewerb. Unter die besten 10 hatte ich es zwar nicht geschaft, aber ich zeig sie euch trotzdem mal.
Kennt
ihr das Gefühlt einfach renne zu müssen? Egal wohin, einfach nur
weg? Blindlings durch die Gegend zu taumeln, immer weiter und weiter?
Ich will nicht darüber nachdenken, warum ich überhaupt renne. Ich
könnte es nicht einmal mehr, kann keinen klaren Gedanken fassen.
Jede Faser meines Körpers schreit vor Schmerz und weigert sich
weiter zu machen. Meine Lunge brennt wie Feuer und verlangt eine
Pause, Zeit zum Atmen. Mein Kopf dröhnt vor lauter Anstrengung. Ich
fühle meinen Herzschlag in meinen Ohren pochen. Laut und
eindringlich, als wollte er mich warnen. Aber ich kann nicht stehen
bleiben. Feuchtes Laub dämpft jeden meiner Schritte.
Solange
ich renne, lassen sie mich in Ruhe. Die Bilder, die Erinnerungen. Der
Schmerz übertönt alles und jeden, erfüllt mein Bewusstsein. Dort
ist kein Platz mehr für Trauer, kein Platz mehr für Angst oder für
falsche Gedanken. Ich kann nicht mehr aufhören. Würde ich es tun,
dann würde ich fallen und ich habe Angst nie wieder aufstehen zu
können. Ich zwinge mich noch schneller zu werden und hetze im Slalom
an den gigantischen Bäumen vorbei. Nur selten reicht ein Lichtstrahl
bis an den Grund des Waldes, so dicht ist das Blätterdach über
mir. Ich bin froh darüber. Ich hätte Sonne nicht ertragen, vor
allem nicht heute. Zu fröhlich, zu grell. Tränen verschleiern meine
Sicht und rollen über meine Wangen. Wütend wische ich sie weg. Ich
bin kein kleines Kind mehr.
Nur
Kinder weinen. Meine Finger verkrampfen sich, als ich das rosa Band
an meinem Handgelenk sehe. An den Händen die voller Blut sind. Ich
wende den Blick ab und treibe mich weiter an. Die Tränen wollen sich
einfach nicht zurück halten lassen. Ich beiße mir auf die Lippen um
ein Schluchzen zu unterdrücken. Oh Amy! Ich weigere mich an
sie zu denken, aber mein Kopf spielt mein Spiel nicht länger mit.
Meine Beine geben nach und ich breche zusammen, schlage hart auf dem
Boden auf. Ich bemerke den Schmerz nicht einmal mehr, weine so
heftig, dass ich vergesse wie man atmet. Ich habe keine Kraft mehr zu
kämpfen.
Wir
hätten nie damit gerechnet, dass sie kommen würden. Sie hatten den
Wald noch nie betreten. Noch nie in all den Jahren. Das hier war
unser Territorium, unsere Heimat. Wir fühlten uns so sicher, so
stark. Wie dumm wir doch gewesen waren! Wie hatten versucht sie zu
vergessen und aus unserem Leben zu verdrängen, dabei hätten wir
wissen müssen, dass sie wieder kommen.
Ich
war nicht da, als sie unser Dorf überfielen. War an einem See in der
Nähe und versuchte im feuchten Sand zu schreiben. Die Schreie
drangen aus weiter Ferne zu mir.
Ich
war aufgesprungen und gerannt, das erste mal an diesem Tag und so
schnell mich meine Füße trugen. Je näher ich den Holzhütten kam,
desto offensichtlicher wurde es. Dieser Gestank, süßlich und
schwer, wie verrottendes Fleisch. Meine Lippen begannen zu zittern
und eine eiserne Hand legte sich um mein Herz und drückte langsam
zu. Mit zitternden Fingern zog ich mein Messer aus seinem Halfter und
umschloss panisch den kalten Griff. Kopflos stürzte ich auf den
Platz.
Mein
Herzschlag setzte aus und das Messer landete mit einem dumpfen Schlag
im Staub.
Der
Gestank war unerträglich und raubte mir den Atem. Überall an den
Wänden klebte Blut. Blutige Handabdrücke, von blutigen Händen,
toter Menschen, die jetzt nur noch ausdruckslos in den Himmel
starrten. Ich war zu spät gekommen. Ich rief nach meiner Schwester,
nach irgendjemandem, aber niemand antwortete. Panisch stürmte ich
auf unsere Hütte zu. Die Tür war aus den Angeln gerissen worden und
lag zerborsten neben dem Haus. „Amy!“ Hysterisch hechtete ich in
den kleinen Raum und blieb wie erstarrt im Türrahmen stehen. Sie lag
am Boden, ihre langen braunen Haare blutverschmiert und wirr neben
ihrem Kopf. Ein leises Stöhnen kam über ihre Lippen, gefolgt von
einem Schwall Blut, das ihr unaufhaltsam die Kehle entlang lief. Ihre
Augen waren weit aufgerissen und starrten mich ängstlich an. Ihre
Lippen bebten, bläulich, fast violett.
Ihr
braunes Kleid war am Bauch zerrissen und rot gefärbt. Ich ging
neben ihr in die Knie und griff nach ihrer kalten Hand. Sie umschloss
meine Finger und drückte sie leicht. Eine rosa Band war um ihr
Handgelenk geschlungen. Es gehörte einst unserer Mutter. Sie legte
es nie ab. Niemals.
„Alles
wird gut, dass verspreche ich dir!“, hauchte sie. Ihre Stimme war
kaum zu hören, nicht mehr als Wind. Gequält hob sie ihren Arm und
zog leicht an der Schleife. Der dünne Satin-stoff rutschte über
ihre Haut und landete auf den Holzdielen neben ihr. Sie schloss
flatternd die Augen. „Ich liebe dich Livi.“ Wieder der Wind.
Schluchzen schüttelte mich und ich vergrub mein Gesicht in ihrer
Brust. Auch wenn ihre Augen geschlossen waren, ich wusste, dass sie
ins Leere starrten. Ich war endgültig alleine. Sie hatten mir erst
meine Eltern genommen und jetzt auch noch Amy. Ich griff nach dem
Band und stürmte aus der Hütte.
Ich
ertrug das hier nicht mehr. All das Blut, all der Gestank. Ich wollte
nur noch vergessen.
Das Moos kitzelt an meiner Wange.
Stöhnend stütze ich mich an einem Baumstamm ab und ziehe mich hoch.
Meine Muskeln schmerzen fürchterlich. Die Sonne ist bereits hinterm
Horizont verschwunden und hinterlässt nichts als Dunkelheit. Mir ist
kalt. Meine Kleidung ist klamm und ich lag zu lange auf der Erde. Wie
lange? Wen interessiert schon Zeit. Ich zwinge mich weiter zu gehen,
wenigstens zu laufen. Irgendwo hier müsste noch eine Siedlung
liegen, die einzige in einem Radius von über 200 km. Seit dem
Ausbruch der Seuche 2034 sind die wenigen Überlebenden in die Wälder
geflüchtet. Schuld daran war eine Gruppe Wissenschaftler. Sie
wollten die Welt verändern, gingen immer weiter und weiter.
Gentechnik lag an der Tagesordnung. Sie entwickelten ein Medikament,
dass in die DNS der Menschen eingreifen sollte. Das Ziel war
Perfektion. Perfekte Schönheit, perfekte Stärke, perfekte
Intelligenz. Das Ergebnis war ein Fluch.
Schon der erste Testlauf besiegelte
unser Schicksal. Der arme Mann veränderte sich tatsächlich, aber
nicht zum besseren. Er verwandelte sich in Monster, dessen Speichel
und Blut hoch ansteckend war und jeden infizierte der ihm zu nahe
kam.
Als sie seine Leiche in der Themse
verschwinden ließen, war ihnen diese Erkenntnis leider noch nicht
gekommen. Erst als die ersten Angriffe auf Passanten öffentlich
wurden, dämmerte es ihnen langsam. In London fing es an und
überschwemmte schließlich die ganze Welt.
Es brauchte Fünf Jahre um 87 % der
Menschheit auszulöschen, oder zu den ihren zu machen.
Sie waren zu intelligent, zu stark,
um bekämpft zu werden. Genau wie sie es geplant hatten.
Drei Tage lang laufe ich, bis ich
die Giebel der Häuser endlich erblicke. Es ist unbeschreiblich
still. Nur das Zwitschern einiger Vögel begleitet mich. Je näher
ich dem fremden Lager komme, desto schlechter wird mir. Eine
furchtbare Vorahnung beschleicht mich und lässt mich nicht mehr los.
Dann rieche ich es. Wieder dieser Gestank. Ich hätte umdrehen und
weglaufen können, aber irgendetwas hält mich davon ab, zieht mich
ununterbrochen weiter. Als ich an den ersten Häusern vorbei laufe,
starre ich unentwegt gerade aus. Ich will das Blut nicht sehen,
ertrage keine Toten mehr. Was tue ich eigentlich hier? Will ich mich
selbst bestrafen? Ich versuche nicht hin zu sehen, aber das ist so
unglaublich schwer, wenn man der einzig atmende Mensch auf diesem
Planeten zu sein scheint. Glasknirschen, als würde jemand über
Scherben laufen. Keuchend fahre ich herum, das Messer drohend in
meiner Hand. Wie gelähmt lasse ich den Arm sinken. Vor mir steht ein
Mädchen. Sie ist jünger als ich, vielleicht Vierzehn. Ihre blauen
Augen sind verheult und ihre langen dunkelblonden Haare stehen wirr
in alle Richtungen ab. Sie wirkt so allein. Genau wie ich. Wortlos
lasse ich meine Waffe verschwinden und beobachte sie abwartend.
Ihr Name ist Selene. Der Rest ist
offensichtlich. Die Familie tot, sie, die letzte Überlebende ihres
Clans. Wir reden. Über alles. Ich bin so glücklich nicht mehr
alleine zu sein, dass ich gar nicht merke wie der Gestank wieder
stärker wirkt. Irgendwann lässt es sich kaum noch leugnen. Ein
Rasseln lässt uns aufschrecken.
Ein tiefes und kehliges Grollen. Wir
fahren herum und da steht er. Sein Gesicht ist kaum zu erkennen.
Handtellergroße Hautlappen schälten sich von seinem Schädel, an
manchen Stellen fast schwarz, an anderen grün. Seine Schädeldecke
blitzt weiß hervor. Seine Kleidung ist alt und zerfetzt und er
riecht wie eine verwesende Leiche. Eigentlich sieht er auch genauso
aus. Ich hatte nie behauptet, dass ihnen auch der Punkt: „perfekte
Schönheit“, gelungen war, oder?
Verzweifelt schreit er auf und
stürzt auf uns zu. Alles geht zu schnell für mich. Ich kann es kaum
erfassen. Seine Pranke trifft Selene an der Schulter und wirft sie
hart zu Boden. Reflexartig greife ich nach meinem Messer und steche
blind zu. Die Klinge trifft auf Widerstand und das Messer entgleitet
mir. Schreiend ducke ich mich und schlage die Arme über dem Kopf
zusammen.
Der Schlag bleibt aus. Ein lautes
Krachen. Blinzeln sehe ich auf. Der Mann liegt zwischen den Trümmern
eines Holztisches. Zitternd laufe ich darauf zu. Mein Magen
rebelliert und heiße Galle kriecht mein Speiseröhre hinauf. Das
Messer steckt in seinem Auge.
Er hat Selene getroffen. Eine tiefe
Schramme zieht sich über ihr Schlüsselbein und ihren Brustkorb. Ich
muss schlucken. Die Wunde wird sie nicht töten. Flehend sieht sie
mich an. Ihr Blick wandert hektisch zwischen dem toten Mutanten und
mir. Das kann sie nicht von mir verlangen. Mit Tränen in den Augen
schüttle ich den Kopf. Sie zwingt sich zu einem Lächeln und nickt
aufmunternd. Ihre Augen lächeln nicht mit. „Ich kann das nicht“,
flüstere ich und versuche nicht die Fassung zu verlieren. „Du
musst!“, haucht sie. Ich binde ihr zitternd das rosa Band um ihr
dünnes Handgelenk und presse ihr einen zaghaften Kuss auf die
tränenfeuchte Wange. Dann stehe ich auf und hole das Messer. Sie hat
recht. Ich muss.
Wieder renne ich. Von der Klinge
meines Messers, tropft Selens Blut.
Ich würde mich über eure Meinung freuen,
Liebe Grüße,
Franzi
- 14:38:00
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Ich sitze auf einer Bank irgendwo an
einer Haltestelle und fingere schon seit Minuten nervös auf meinem
Handy herum. Die Häuser vor und hinter mir sind so riesig, das ich
den Himmel kaum sehe und ich habe keinen blassen Schimmer mehr wo ich
bin. Auf dem Schild der Haltestelle steht eine Straße und ich gebe
den Namen halb verzweifelt in das Internetdokument ein, das mir
hoffentlich sagen kann, mit welcher Bahn ich an mein Ziel komme. Die
Seite läd und läd nicht und beim Anblick meines Akkustandes wird
mir direkt schlecht. Ich hab mich selten so verloren gefühlt wie in
diesem Moment. Eine Straßenbahn hält, laut Plan die einzige Linie
dieser Station, also steige ich einfach ein. Nachdem ich eine
gefühlte Ewigkeit gebraucht habe um das Ticket zu bezahlen setze ich
mich auf einen freien Platz und sehe nach draußen.
Häuser über Häuser und so viele Menschen. Ich erkenne rein gar nichts wieder. Wir fahren ein Stück, bis ich ein U-bahn Schild sehe. Ich erinnere mich, an meinem Ziel ebenfalls eine gesehen zu haben. U- Bahn fahren ist leichter als Straßenbahn fahren. Darin habe ich mehr Übung. Scheu frage ich den Fahrer ob er auch an der Bockenheimer Warte vorbei fährt, aber er schaut nur verwundert. Stattdessen kommen mir gleich drei Passanten zu Hilfe und weisen mich darauf hin, dass ich hier direkt aussteigen muss. Der Fahrer, der bereits wieder am Anfahren ist, tritt auf die Bremse und lässt mich raus. Etwas verwirrt bleibe ich an der Haltestelle zurück. Ich bin erleichtert, als ich zumindest hier auf dem Plan meine Zielstation finde. Jetzt weiß ich, dass ich ankommen werde. Ich bin trotzdem verunsichert. Da wo ich herkomme hilft dir niemand, wenn du dich verfährst. Meine Bahn kommt und es geht weiter.
Während man mit einer Straßenbahn
fährt, hat man viel Zeit nachzudenken und gerade platzt mein Kopf
vor Gedanken. Ich bin hier wegen einer Wohnungsbesichtigung. Ich
werde hier wohnen. Der Gedanke erschlägt mich gerade etwas. Ich
fühle mich seltsam. Nervös und aufgekratzt, aber im positiven
Sinne. Vielleicht auch mehr, wie bei einem Sonnenstich. Auf jeden
Fall ist mir schlecht. Ich komme fast schon aus einem Dorf. Die Stadt
ist klein und übersichtlich und auf allen Seiten sieht man die
Berge. Es gibt keine Straßenbahnen, kein U-Bahn System. Ich frage
mich ob es die richtige Entscheidung war, 400 Kilometer weg und in so
eine große Stadt zu ziehen, aber gleichzeitig weiß ich auch, dass
es so ist. Ständig sehe ich Plakate von Ballett- und
Theateraufführungen, von Musicals und Kunstausstellungen. Ich muss
lächeln als ich Werbung für die Frankfurter Buchmesse sehe. Die
Bahn hält, ich muss aussteigen. Beinahe hätte ich die Tüte mit den
Büchern vergessen, die ich zuvor gekauft habe, aber ein junger Herr
hält mich zurück und drückt sie mir in die Hand. „Viel Glück“,
wünscht er mir und ich bin mir kurz nicht sicher, ob ich richtig
gehört habe. „Viel Glück, wofür?“, frage ich. Er lächelt nur
und zeigt auf die Tür. „Die Bahn fährt gleich weiter.“ Ich
blinzle kurz, lache dann heißer und steige aus. Heute Abend werde
ich wieder heimfahren, aber ich komme bald wieder. Mein neues Leben
wird hier beginnen.
- 10:00:00
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