Nein ich hasse keine Männer und bin auch nicht für die Frauenquote.

22:06:00

 
Lowkey, Portrait, Feminismus, Fotografie, Photography 
 
Falls ich irgendwann einmal Kinder kriegen sollte, so sehr ich auch jetzt daran zweifle, hoffe ich, dass es nur Jungs werden. Nicht weil ich Mädchen nicht auch toll fände, sondern weil ich nicht wüsste, wie ich es schaffen sollte ihnen heutzutage noch die richtigen Werte zu vermitteln. Heute hatte ich ein Gespräch mit jemandem, der mir sehr nahesteht. Wir sind quasi zusammen aufgewachsen und trotzdem sind Sätze gefallen, die mir den Magen umgedreht haben. Im Fernseher lief mal wieder ein Bericht über eine Schauspielerin, die sich ganz frisch für den Playboy ausgezogen hatte. Voller Bewunderung erzählte sie mir was für eine Ehre es doch sei sich für den Playboy ausziehen zu dürfen. Für den Playboy. Es ist also eine Ehre sich nackt für ein Magazin ablichten zu lassen, auf dass tagtäglich tausende Männer onanieren? Ein erstrebenswertes Ziel? Versteht mich nicht falsch. Ich verurteile niemanden der es getan hat, schließlich kann jeder selbst entscheiden, wie er mit seinem Körper umgeht und wie viel er davon zeigen möchte, aber einen Gefallen tut er dem Bild der Frauen in den Medien damit nicht. 

Kleine Mädchen wachsen heute mit unglaublich viel Druck von außen auf. Sie müssen nicht nur immer mehr in der Schule leisten, sondern bekommen auch noch von allen Seiten vorgeschrieben, wie sie am besten auszusehen haben. Möglichst schlank, gleichzeitig eine große Oberweite und vergesst bloß nicht den durchtrainierten Hintern. Man muss ja möglichst „Fuckable“ bleiben. Wenn man am Kinderspielzeugregal vorbei läuft wird man meistens von Unmengen an Puppen erschlagen, die wahrscheinlich die sexuellen Fantasien der meisten Männer noch übertreffen. Die Frauen haben im letzten Jahrhundert so stark darum gekämpft gleichberechtigt behandelt zu werden, Entscheidungsgewalt zu haben und uneingeschränkt über ihr Leben bestimmen zu können. Frauen dürfen frei über ihren Körper verfügen und das ist auch gut so, aber es ändert nichts daran, dass den Käufern von Magazinen wie dem Playboy vollkommen egal ist wer die abgebildeten Frauen sind. Sie lassen zu, dass sie selbst nur noch auf ihre Oberweite oder ihre Figur reduziert werden, wenn sie Glück haben auch noch auf ihr hübsches Gesicht. Es ist kein Wunder das Mädchen immer früher Sex haben, ganz egal ob sie bereit dazu sind oder nicht. Sie wachsen ja in dem Glauben auf, dass das genau das ist, was sie zu tun haben, um möglichst locker zu wirken und möglichst beliebt zu sein. 

Ich habe Freunde die heute schlauer sind und längst erkannt haben, dass sie es das erste mal eigentlich nur aus der Angst heraus getan haben, ihren Freund zu langweilen. Wenn eine siebzehnjährige mir erzählt, dass es vollkommen normal ist, dass keiner aus einem Urlaub in Lloret als Jungfrau zurück kommt, dann wird mir Himmel Angst. Betrunken mit einem Fremden in irgendeiner billigen Absteige sein erstes Mal zu erleben, klingt wirklich sehr romantisch. Zumindest solange man nicht an den Falschen gerät, sich irgendwelche Geschlechtskrankheiten einfängt oder direkt vergewaltigt wird. Das tragische ist, dass meistens ich diejenige bin, die mit ihren Ansichten aneckt und als prüde gilt. Ich bin diejenige „Die sich nicht so haben soll“, wenn sie mehr als zehn Sätze mit einem Mann gesprochen haben will, bevor sie riskiere schwanger von ihm zu werden. Ich bin selbst kein Engel, erst recht keine Nonne, aber ich lebe auch nicht nur um den Vorstellungen anderer zu genügen. Wenn mich jemand fremdes auf der Straße als „sexy“ bezeichnet, dann fühle ich mich davon nicht geschmeichelt, sondern angegriffen und unwohl.

 Ich bin an erster Stelle ein Mensch und erst an dritter oder vierter Stelle ein Mädchen. Ich finde du solltest nichts zu einem fremden Mädchen sagen, dass du nicht auch zu einem fremden Jungen sagen würdest. 

Ich habe Angst, dass ich irgendwann einmal mit Kindern zu tun haben werde, die mir noch in der Grundschule erzählen, dass sie Angst haben schwanger zu sein. Also wie sollte ich einem kleinen Mädchen beibringen, dass ihr Körper nur ihr gehört und wie wichtig es ist Respekt vor sich selbst zu haben, wenn der Großteil der Welt es vergessen zu haben scheint? Und wie schafft man es gleichzeitig Kinder ohne Scham vor ihrem Körper und ihrer Sexualität zu erziehen? Ich bin meinen Eltern dankbar dafür, dass sie mich zu dem Menschen erzogen haben der ich bin. Nämlich zu jemandem der keine Angst davor hat auch einmal einfach nur er selbst zu sein. Ich war in manchen Dingen schon immer eigen, aber erst durch mein Studium habe ich verstanden, wie wenige meiner Gedanken während der Pubertät tatsächlich meine waren.
Ich erinnere mich an den Schwimmunterricht in der achten Klasse. Eine Klassenkameradin hatte sich die Achseln nicht rasiert und meine Freunde und ich haben uns ziemlich angeekelt darüber unterhalten, dabei waren wir selbst eigentlich kein Teil der "It-Girls". Mir war das Gespräch damals schon unangenehm, aber ich habe trotzdem mitgemacht. Zumindest ohne das meine Mitschülerin es mitbekommen hat. So fies, oder besser mutig, waren wir nun doch nicht. Heute schäme ich mich unheimlich dafür. Das Mädchen war eigentlich die mutigste von uns allen. Sie kannte die Erwartungen der Gesellschaft und hat trotzdem entschieden so zum Schwimmunterricht zu erscheinen. Es ist eigentlich tragisch, dass der Druck den man als Mädchen und wahrscheinlich auch als Junge von außen bekommt noch nicht ausreicht. Nein, wir müssen uns sogar noch gegenseitig Druck machen. 



Eine Freundin von mir ist 19 und schämt sich fast schon dafür noch Jungfrau zu sein. Das wäre nicht normal. Ich sehe das anders. Sie ist jetzt zumindest alt genug um selbstbestimmt und gut überlegt zu entscheiden, wann und mit wem sie das ändern möchte. Ich bezweifle das die meisten 15 Jährigen überhaupt die Möglichkeit haben zu verstehen, was es bedeutet die Wahl zu haben. Ich verurteile diese Mädchen nicht, genauso wenig wie mich selbst, aber es tut mir leid für sie und macht mir Sorgen. 


Ihr fragt euch jetzt wahrscheinlich was das soll. Ich verschwinde für fast ein halbes Jahr und erkläre nicht wieso, sondern lasse euch stattdessen so einen Text da. Die Erklärung ist einfach: Das hier war mir wichtig. 

Liebe Grüße,
 

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3 Kommentare

  1. Du hast genau meine Gedanken getroffen. Dazu kann ich nicht mehr sagen als: ein klasse Text!

    Liebe Grüße
    Linda

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  2. Liebe Franzi,

    ein ganz toller Text, der auch meine Gedanken wiederspiegelt!
    Unglaublich gut geschrieben und einfach genial! :)

    Liebe Grüße.
    Hannah
    <3

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