Seelenvernichter- Missbrauch im Klassenzimmer

20:47:00

Seelenvernichter
Missbrauch im Klassenzimmer

Corinna Engel, Christian Kaiser

Verlag: U-Books/ U-Line
Seiten: ca. 174
gebunden
Preis: 9,95 Euro
ISBN: 978-3939239000



Kennt ihr das, wenn man ein Buch gelesen hat, es rezensieren will, aber irgendetwas blockiert einen? Es gibt einfach Bücher die kann man nicht wie andere Bücher bewerten. Schreibstil, Rechtschreibung, Covergestaltung? Wen interessierst! „Seelenvernichter“ ist so ein Buch. Ich bin immer noch platt.


 

Ich habe die Geschichte der dreizehnjährigen Anja innerhalb einer Nacht gelesen. Anjas Leben ist die Hölle. Anders kann ich das nicht beschreiben. Ihr wird von einer Mädchenclique ihrer Klasse aufs übelste mitgespielt. Ich weigere mich von Mobbing zu sprechen, denn das hier geht viel weiter. Sie wird nicht nur beschimpft oder ausgegrenzt, nicht einmal nur verprügelt. Natürlich auch all das, aber es geht auch um Drogen, Missbrauch und mehrere Vergewaltigungen. Allein im ersten Kapitel wird beschrieben, wie sie von den Mädchen erst betrunken gemacht, dann verprügelt und schließlich mit einer Sektflasche missbraucht wird. Natürlich nicht ohne gefilmt und veröffentlicht zu werden. (Nochmal: Es geht um 13-jährige KINDER!) Diese Szene zeigt auch das Cover: Ein junges Mädchen, das halb nackt auf dem Boden liegt, eine Flasche zwischen den Beinen und ein malträtiertes Gesicht. Allein davon wird einem schon schlecht. Dabei ist das nur der Anfang und bei weitem nicht die heftigste Szene im Buch. Was diesem Mädchen angetan wurde, würde jeden zerstören und kaputt machen. Man beginnt die Menschen in ihrer Umgebung regelrecht zu hassen. Die Mädchen der Clique sind eiskalt und berechnend. So etwas wie Mitgefühl kennen sie nicht. Die Jungs finden das ganze einfach nur lustig und steigen in jede Gemeinheit sofort mit ein. Die ihrer Klasse, die nicht aktiv damit beschäftigt sind sie zu zerbrechen, haben zu viel Angst davor selbst in den Fokus der Aufmerksamkeit zu gelangen, weshalb sie nie eingreifen oder irgendetwas sagen. Die Lehrer sind der Meinung, Anja wäre diejenige, die sich von der Klasse ausgrenzt und unterstützen die Schüler so unbewusst in ihren Attacken. Diese Videos der Übergriffe auf das Mädchen kennt so gut wie jeder an ihrer Schule. Ich begreife das nicht. Wenn mir jemand ein Video zeigen würde, in dem eine Achtklässlerin meiner Schule von anderen Schülern missbraucht oder vergewaltigt wird, dann melde ich das doch! Wie kann man sich so etwas anschauen und darüber LACHEN? Anja selbst ist ein unglaublich zerbrechlicher Charakter. Sie sucht die Schuld für das Verhalten vor allem bei sich selbst und entwickelt einen abgrundtiefen Selbsthass. Sie ritzt sich, entwickelt eine Essstörung. Sie ist fix und fertig und man kann ihr das auch nicht übelnehmen. Ich an ihrer Stelle, hätte schon das erste Kapitel nicht überlebt. Der Schreibstil unterstreicht dieses Gefühl der Hilflosigkeit noch. Er ist sehr jung und jugendlich, voll von Beleidigungen, rüder Sprache und absolut ungeschönt.
Ich war nach dem Lesen fertig mit den Nerven. Ich habe mehr als einmal geheult und konnte danach noch sehr lange nicht einschlafen. Das tragische ist, dass es Kinder gibt, die genau diesen Alptraum tagtäglich erleben. Ich vergebe keine Punkte. Ich würde das Buch auch nie, nie, niemals als „gut“ bezeichnen, aber ich lege jedem ans Herz es zu lesen.

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2 Kommentare

  1. schöne Rezension... Macht wirklich Lust auf das Buch... Ein Thema, was selten angesprochen wird, da es einfach zu heikel ist und oft den moralischen Zeigefinger zu doll schwingt...

    Liebste Grüße
    Tabea

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    1. Ja, viele wollen sowas auch gar nicht lesen, weil sie denken es zieht sie zu sehr runter. Es gibt viele Leute die ich kenne, denen ich das Buch gerne mal ins Gesicht schlagen würde...

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