Wie viel Leben passt in eine Tüte?

23:43:00

Wie viel Leben passt in eine Tüte?

Donna Freitas

Verlag: Gabriel
Seitenanzahl: 397

gebunden
Preis: 18.95

ISBN: 978-3-522-30312-5



 















Klappentext:
Ein Ipod mit Liedern, ein Foto mit Pfingstrosen, ein Kristallherz, Buntstifte, ein Papierstern, ein Papierdrachen. Das alles befindet sich in der schlichten braunen Papiertüte mit der Aufschrift „Roses Survival Kit“, die Rose am Tag der Beerdigung ihrer Mutter findet. Es ist ein letztes Geschenk an Rose- und der Beginn einer Reise. Zögernd lässt Rose sich darauf ein. Jeder Gegenstand scheint sie dabei auf seltsame Art zu Will zu führen. Schon bald merkt sie, dass sie mehr für den zurückhaltenden Jungen empfindet. Doch dann geschieht etwas, das Roses und Wills aufkeimendes Glück tief erschüttert. Ob ihre Mutter ihr auch für diese Situation etwas hinterlassen hat?

Cover:
Ein Wort: Fantastisch. Mehr muss ich zu dem Cover wohl nicht sagen. Eigentlich ist es um ein Vielfaches außergewöhnlicher als es auf dem Foto aussieht. Der Schutzumschlag ist aus einem transluzenten Papier, ähnlich Butterbrotpapier. (Ich weiß: Schlechter Vergleich...) Der Buchtitel ist nicht einfach in Blockbuchstaben auf den Umschlag gedruckt, sondern wurde ausgeschnitten, sodass das orange Buch zu sehen ist. Ich finde es einfach total schön und besonders. Das englische Cover ist ganz anders und kommt meiner Meinung nach auch nicht an das deutsche ran. Es ist ziemlich gewöhnlich und hat kaum Wiedererkennungswert.

Geschichte:
Rose ist nicht mehr sie selbst. Alles was sie tut, egal ob atmen, sprechen oder gehen, fühlt sich falsch und verkehrt an. Seid ihre Mutter an Krebs gestorben ist, hat sie das Gefühl, selbst nicht mehr am Leben zu sein und schafft es nicht mehr, in ihr altes Leben zurück zu finden. An dem Tag der Beerdigung flüchtet sie sich in den Kleiderschrank ihrer Mutter und findet dort eine unscheinbare Papiertüte. „Roses Survival Kit“, steht auf dem Umschlag, aber Rose hätte auch so gewusst, um was es sich handelt. Vollkommen überfordert versteckt sie das letzte Geschenk ihrer Mutter in ihrem Zimmer, ohne es auch nur zu öffnen. Sie ist noch nicht bereit dafür. Das folgende Jahr wird für sie, das Schwerste ihres Lebens. Sie muss den Tod ihrer Mutter akzeptieren lernen und ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen, aber wie soll das gehen, wenn sie doch alles an ihren Verlust erinnert? Nach und nach setzt sie sich mit den Gegenständen aus ihrem Survival Kit auseinander: Ein bespielter Ipod, ein Kristallherz, Buntstifte, ein Papierstern, ein Papierdrachen und ein Foto von Pfingstrosen. Durch die Pfingstrosen spricht sie das erste mal mit Will, dem Jungen, der seid einiger Zeit den Garten ihre Mutter pflegt. Auch er hat zwei Jahre zuvor seinen Vater verloren und versteht Rose auf Anhieb. Irgendwie scheinen sie nicht nur die Rosen, sondern auch all die anderen Dinge in ihrer Tüte zu dem Jungen zu führen. So langsam, wie die Pfingstrosen in der Erde ihre Gartens, wachsen auch die Gefühle der beiden. Aber dann geschieht etwas, dass ihnen beiden das Gleichgewicht nimmt.

Die Autorin:
Donna Freitas stammt aus Rhode Island und hat einen Doktortitel in Theologie. Sie schreibt vorwiegend Sachbücher über Jugendliche und Religion und arbeitet für diverse Zeitungen. „Wie viel Leben passt in eine Tüte?“, ist das erste ihrer Jugendbücher, das ins Deutsche übersetzt wurde. Das Buch hat sie ihrer Mutter gewidmet und zeigt teils biographische Züge. Auch sie hat ihre Mutter früh verloren und war das erste Jahr nach ihrem Tod wie gelähmt. Genau wie Roses Mutter, war auch ihre Lehrerin und hatte jedes Jahr Survival Kits für die Erstklässler erstellt. So kam Frau Freitas auf die Idee für ihren Roman. Sie hatte sich überlegt, welche Gegenstände sie sich in dem ersten Jahr, nach dem Tod ihrer Mutter gewünscht hätte und verarbeitet in Rose bis zu einem gewissen Grad ihre eigenen Erlebnisse. Zu ihrem Blog.




Meine Meinung:
Einen Menschen zu verlieren, der einem so nahe steht, wie die eigene Mutter, ist für mich unvorstellbar. Mir wird allein bei dem Gedanken schlecht und deshalb kann ich Rose auch sehr gut verstehen. Der Kampf, den sie immer wieder mit sich selbst führt, schreit einem von jeder Seite entgegen. Das Mädchen hat das Gefühl, nie wieder lachen zu können. Ihre Mutter hat ein Loch in ihrem Leben hinterlassen, dass sich mit nichts füllen lassen. Alles fühlt irgendwie falsch an und erinnert sie schmerzlich an ihren Verlust. Sie erträgt es nicht mehr, von ihrem Freund berührt zu werden, bricht in Tränen aus sobald sie Musik hört und gibt all ihre Hobbys auf. Ich fand sie furchtbar sympathisch und konnte gut mit ihr mitfühlen. Als sie das Survival Kit ihrer Mutter entdeckt, schafft sie es lange Zeit nicht hineinzusehen. Ich finde die Idee des Geschenks einfach wunderschön. Es ist wie ein Abschiedsgruß, der Rose immer wieder daran erinnert, wie sehr ihre Mutter sie geliebt hat. 

In ihrem Kampf zurück ins Leben, wird ihr Will ein wichtiger Begleiter. Er hat zwei Jahre zuvor seinen Vater verloren und pflegt den Garten von Roses Mutter, seid die Krankheit ihr die Fähigkeit nahm es selbst zu tun. Obwohl er beinahe jeden Tag vor ihrem Haus arbeitet, hat Rose noch nie wirklich mit ihm gesprochen. Ausgerechnet das Survival Kit bringt sie dazu ihn um Hilfe zu bitten. So beginnt eine Freundschaft, die für das Leben beider immer mehr Bedeutung gewinnt. Ich mochte ihn. Er ist sehr realistisch gezeichnet und würde alles für seine Familie tun. Er ist sehr in sich zurück gezogen und steht nicht gerne im Mittelpunkt, obwohl er dies ohne weiteres könnte. Er ist ein Eishockeystar und einer der besten seines Teams. Eigentlich ist er das genaue Gegenteil zu Roses Freund Chris. 

Der ist nämlich der Star-Quarterback seiner Schule und gibt viel auf seinen Ruf. Natürlich ist er auch sehr nett und behandelt seine Freundin gut, aber er schafft es einfach nicht, ihr genug Zeit zu geben. Er kann sie nicht verstehen, so sehr er es auch versucht. 

Rose Vater ist mit der neuen Situation vollkommen überfordert. Er ertränkt seinen Kummer in zu viel Alkohol, geht nur noch unregelmäßig zur Arbeit und zwingt seine Tochter so, nicht nur für sich selbst, sondern auch noch für ihn zu sorgen. Mich hat seine Unfähigkeit teilweise richtig wütend gemacht. Er hat Rose regelrecht im Stich gelassen und war zu egoistisch um auf die Gefühle seiner beiden Kinder zu achten. Ihr Bruder Jim lebt nicht mehr Zuhause, sondern studiert. Deshalb ist das Mädchen meistens allein mit ihm. Die einzige, die ihr tatsächlich helfen kann ist Oma Madison. Die alte Dame ist sehr taff und heizt der zerrissenen Familie immer ein, wenn es nötig wird. Ihr Hauptopfer ist dabei natürlich ihr Sohn. Sie wirkt manchmal sehr hart und abgebrüht, aber eigentlich tut sie meistens genau das richtige. 

Die Überschrift aller Kapitel, tragen die Namen besonderer Songs, denn Musik spielt in diesem Roman eine große Rolle. Was ich toll fand war, dass Gott, obwohl die Autorin vorwiegend über Teenager und ihr Verhältnis zur Religion schreibt, absolut keine Rolle in diesem Buch spielt. Es geht nur um Trauerbewältigung und um ganz normale Menschen. Sonst um nichts. Das ganze Buch ist voll von wunderschönen Szenen, die mir immer wieder die Tränen in die Augen getrieben haben. Teilweise war es geradezu poetisch. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und hat etwas unbeschwertes und leichtes an sich. Leider gab es ab und an Phasen, in denen nicht viel passiert ist. Natürlich ist dies keines der Bücher, die viel Spannung brauchen, um toll zu sein. Trotzdem hat sich die Geschichte manchmal etwas gezogen, weshalb ich „nur“ 4 von 5 Leaves geben kann. Trotzdem würde ich es jedem empfehlen, der ein Buch, über das wahre Leben sucht und darüber, wie man es überlebt. 



Vielen Dank an "Blogg dein Buch" und den "Gabriel-Verlag" für dieses Rezensionsexemplar. 

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4 Kommentare

  1. Tolle Rezi ♥
    Ich will es auch lesen!! :)

    LG
    Weisselilie

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    1. Danke :) Ich fand das Buch auch wirklich gut *__*

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  2. Ich mag es auch noch unbedingt lesen, weil ich auch ausschließlich positive Rezis sehe :)

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    1. Stimmt, ich hab auch noch keine negative gesehen :D Jetzt wo dus sagst, wär mir sonst nicht mal aufgefallen.
      Liebe Grüße

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